Verfasst für und veröffentlicht am 29. März 2017 auf dem Blog Nazis und Golmund, Poesie gegen rechts: Lebenslauf. Die Einfügungen „Hydra fragt:“ und „Hydra sagt:“ sind von den den Editoren des Blogs im Rahmen des open calls „Hydras offener Schrei“ nachträglich eingefügt worden. Ebenso einige Kommata, die nicht meinem Rhythmus entsprechen. Hier ist der Text davon ungetrübt.
Lebenslauf
Ich zeichne mich aus mit meinem Lebenslauf. Nein, ich weise mich aus mit meinem Lebenslauf. Nein, keine Ausweisung, obwohl die Frage lautet, “Können Sie sich ausweisen?”. Keine Ausschaffung, Abschiebung, Rückführung: Lebenslaufen. Mein Lebenslauf ist scheiße, aber die Nationalität ist deutsch. Weißt du, was das bedeutet? Gegenüber syrisch, afghanisch, irakisch, eritreisch, iranisch, nigerianisch, armenisch, somalisch, aserbaidschanisch?
Weißt du, was das bedeutet? Geschichte haben, Monster sein. Mein Lebenslauf ist schon scheiße. Mein Weg ist Holz. Doch kommst du mit syrisch, afghanisch, irakisch und dergleichen, dann kommst du aus Aleppo, Kabul oder Bagdad. Metonyme des Krieges. Der Staub, die Brocken der Trümmer, die Salven. Wie ungemütlich. Gott, wie ungemütlich.
Weißt du, was sie finden? Weißt du, was sie sehen und hören, die mit syrisch, afghanisch und die anderen?: “Wir schaffen das!” Sie sind “von guten Mächten wunderbar geborgen”.